Bernina Express (2) im Winter

Ich hatte befürchtet, das die Passüberquerung im Winter mit dem vielen Schnee langweilig werden könnte. Das Gegenteil war der Fall: so sonnig und klar die Luft, so abwechslungsreich und faszinierend die Eindrücke in der wundersamen Schneelandschaft, an der ich mich gar nicht genug sattsehen konnte. Leider war es nur der normale Zug über den Bernina Pass von Poschiavo nach St. Moritz, also ohne Panoramafenster. Deshalb verbrachte ich die ganze Fahrt stehend im letzten Wagen ganz hinten immerzu im Wechsel von einer zur anderen Seite. Dennoch faszinierend. 

Von Poschiavo nach St. Moritz via Bernina Pass. Teil einer Busreise mit Trendtours an den Comer See. Infos über die Strecke siehe Bahnabenteuer Bernina-Express (1) und www.bernina-express.ch. 

Schon bald erreicht der Zug die Schneegrenze und dann wird es richtig faszinierend.

Der leere Transportwaggon am Zugende stellte mich vor fotografische Herausforderungen, diesen unstörend ins Bild zu integrieren. Manchma hat es geklappt, leider nicht immer.  

Einszapfen überall. Tagsüber schmilzt der Schnee, nachts formiert sich das gefrorene Schmelzwasser zu glitzernden Eiszapfen.

Alp Grüm mit Palü-Gletscher im Winterkleid, fast noch eindruckvoller als im Sommer

Oben auf der Passhöhe (2253 m) ist der Eindruck einer Mondlandschaft noch stärker.

Die Bahnstrecke wird übrigens das ganze Jahr freigehalten. Spezielle Schneeräum-Schienenfahrzeuge sorgen in den frühen Morgenstunden für freie Gleise.

St. Moritz – kommt erst mal nicht annähernd so schillernd daher wie sein Image verspricht. Der Ort selbst ist modern, aber nicht mal elegant verbaut. Ein Edelshop reiht sich an das andere, aber selbst die zeigen sich von außen eher durchschnittlich – ohne Wow! Selbst Badrutt's Palace Hotel wirkt nicht annähernd so mondän wie seine Gäste, irgendwie eher wie eine aus der Zeit gefallene Trutzburg. Die berühmte Lounge ist aber noch genau so wie vor 35 Jahren, als ich auf einer meiner ersten Hotel-Pressereisen das erste Mal hier war und mit Faszination den Erzählungen des damaligen Hoteldirektors über die schillernden Gäste lauschte – und vom Sehen und Gesehen werden. Den dafür passenden Platz fürs Schaulaufen in der Lounge musste man mitbuchen, und die allerbesten Plätze fürs Gesehenwerden erdient bzw. durch Prominenz errungen haben. 

Reizvoll ist allerdings die Lage und Umgebung von St. Moritz am Oberengadiner Seenplateau auf 1800 m zwischen Maloja und Julier mit vier Seen. 

Über den Majola-Pass mit seinen 33 Serpentinen ging es dann mit unserem Reisebus hinunter an den mild warmen Comer-See, wo an blattlosen Bäumen reife Kakifrüchte wie aprikosengelbe Lampions leuchteten und der See einen mit seinem südlichen Flair verzauberte.

Zurück ins Grandhotel Britannia, dessen beste Tage einige Dekaden zurückliegen, das aber mit seinen glitzernden Kronleuchtern und leicht angestaubtem plüschigem Interieur gern an glanzvolle Zeiten erinnert, wären nicht die vielen Reisebusse vor der Hoteltüre. 

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